Ganz frischer Wind weht im historischen Haus

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2016-BTBericht im Bieler Tagblatt vom 15.11.2016 geschrieben von Esthy Rüdiger.

Bereits die vierte Generation ist bei der Firma Ganz AG Heizung und Sanitär am Steuer. «Keinen Druck ausüben», lautet das Rezept der abtretenden Generation, um eine Firma bald 100 Jahre in Familienhand zu behalten.

Das Haus ist geblieben. Zentral im Stedtli liegt es, an der Nidauer Hauptstrasse, vis-à-vis der Kirche. Heute ist es mit einem edlen Show-Raum beim Empfang und modernen Büroräumen ausgestattet. Vor bald hundert Jahren aber bot sich ein merklich anderes Bild: Mina Ganz führte hier einen Eisenwarenladen, gut sichtbar durch das Schaufenster gegen die Strasse. Hinter dem Haus befand sich die Spenglerei ihres Mannes Gottfried Ganz, die 1918 gegründet wurde, und auch gewohnt wurde im selben Haus. Das Ehepaar hatte zwei Söhne. Einer ist jung verstorben. Der zweite Sohn, Robert, eigentlich Maschineningenieur, stieg mit 29 Jahren in das Geschäft ein und übernahm es bald darauf.

Druck, das Geschäft seines Vaters Robert zu übernehmen, habe er als einziger Sohn nie verspürt, sagt Konrad Ganz heute rückblickend. Die Leidenschaft für das Handwerkliche hat er geerbt. Dass es ausgerechnet der Beruf Heizungsinstallateur wurde, «hat sich eher so ergeben», sagt Ganz. In Nidau aufgewachsen, hat er erst im Tessin gelebt und später einige Jahre in der Innerschweiz. Auch seine drei Schwestern waren an einer Übernahme des Geschäfts vorerst nicht interessiert: Eine hatte früh geheiratet und eine Familie gegründet, eine weitere hat sich für den Lehrerberuf entschieden. Und die dritte Schwester, Barbara Ganz, die später doch noch ins Geschäft einsteigen sollte, hatte eine Karriere in der Hotellerie-Branche begonnen. Als sich Vater Robert Ganz also nach einem Nachfolger umsah, kam innerhalb der Familie einzig Sohn Konrad in Frage. «Für mich war klar: Wenn ich mich dafür entscheide, verbringe ich mein Leben in Nidau.» Das tat er. 1986 wurde die Ganz AG gegründet. So blieb das Unternehmen in dritter Generation in Familienhand.

Drei Nachfolger für Ganz AG
Barbara Ganz dachte vorerst nicht, selbst einmal Teil der Firma zu werden. Sie wollte als Hotelfachfrau in der Welt herumreisen. «Und doch blieb ich stehts stark verwurzelt in Nidau», sagt sie rückblickend. Der kaufmännische Bereich der Firma Ganz war zu jener Zeit nicht optimal besetzt. Barbara Ganz entschliesst sich, vier Jahre nach ihrem Bruder auch ins Geschäft einzusteigen. Das war 1987. Seither haben die beiden das traditionelle Familien-Unternehmen gemeinsam mit Peter Schlup geführt.

Doch auch in ihrem Fall kam der Punkt, an dem die Frage nach der Nachfolgelösung lauter wurde. 2011 stieg Peter Schlup altershalber aus dem Geschäft aus, trat in den Ruhestand. Kaum überraschend, hatte auch Konrad Ganz' Sohn Gefallen am Beruf seines Vaters, seines Grossvaters und seines Urgrossvaters gefunden. Marco Ganz absolvierte die Lehre als Heizungs- und Sanitärinstallateur – bei einem Mitbewerber in Biel. Zehn Jahre arbeitete er auswärts, ehe er – inzwischen als eidgenössisch diplomierter Sanitärmeister – ins väterliche Geschäft wechselte. Acht Jahre lang war er einer unter 31 Angestellten. Dann schliesslich kam auch sein Vater Konrad dem Pensionsalter näher.

Druck, den Betrieb zu übernehmen, verspürte er keinen. «Im Gegenteil. Mein Vater hat mir immer wieder gesagt: ‹Überleg dir gut, ob du das wirklich machen willst›», sagt Marco Ganz. Sein Vater ist es auch, der überzeugt ist, dass nur deshalb ein Unternehmen ganze vier Generationen in der Familie bleiben kann. «Druck bringt nichts. Erzwingen lässt sich so etwas nicht», so Konrad Ganz.

Auch jetzt, nach der Übernahme im vergangenen Sommer, lastet nicht der gesamte Druck auf den Schultern von Marco Ganz. Er ist zwar Hauptaktionär, teilt sich die Inhaberschaft und die Geschäftsleitung aber mit dem Nidauer Heizungstechniker Michael Weber, den Marco Ganz bereits seit Kindertagen kennt, und dem eidgenössisch diplomierten Heizungsmeister Patrick Bieri aus Lüscherz. Letzterer absolvierte bereits die Lehre bei der Ganz AG. Beide arbeiten seit mehreren Jahren im Familienbetrieb. Zudem werden sich die beiden Geschwister der dritten Generation nicht sofort, sondern Schritt für Schritt aus dem Geschäft ziehen. Barbara Ganz weniger schnell als Konrad Ganz – «sie ist ja auch neun Jahre jünger», sagt Konrad Ganz schmunzelnd.

Harter Konkurrenzkampf
Über die Jahre habe sich der Markt stark gewandelt, sagt Konrad Ganz rückblickend. «Der Konkurrenzkampf hat stark zugenommen – er ist steinhart.» Die Baubranche lief in den letzten Jahren gut. Besonders erschwert sei die Situation, seit Grosskonzerne auch im Heizungs-Installationsmarkt mitmischen. «Das ist ähnlich dem Lädelisterben damals, als Migros und Coop auf dem Vormarsch waren», so Ganz.
Dennoch hätten sie diesen Unternehmen gegenüber einen entscheidenden Vorteil, so Konrad Ganz: «Wir sind gross genug, um grössere Projekte zu betreuen und klein genug, um kurze Entscheidungswege zu garantieren.» Die Firma Ganz zeichne seit Jahren eine flache Hierarchie aus.

Bodenständigkeit sei denn auch ein Wert, den er von seinen beiden Vorgängern mitgenommen habe, sagt Marco Ganz. «Ebenso die Qualität der Arbeit und Ehrlichkeit dem Kunden gegenüber», ergänzt er.
Marco Ganz, die vierte Generation des Unternehmens, tut es seinen Urgrosseltern gleich – er wohnt mit seiner Familie im geschichtsträchtigen Haus an der Nidauer Hauptstrasse. So besteht auch Hoffnung auf eine fünfte Generation im Unternehmen: Ganz hat zwei Söhne, zwei- und vierjährig, die am Puls des Betriebsgeschehens aufwachsen. Natürlich ganz ohne Druck.


Eine Galerie inkl. historische Bilder unter
www.bielertagblatt.ch/ganzag

Daten zur Ganz AG

  • 1918: Gründung der Einzelfirma Gottfried Ganz, Spenglerei und san. Installationen, Eisenhandlung und Haushaltwaren
  • 1951: Einzelfirma Gottfried Ganz & Sohn, zusätzlich Heizung und Ölfeuerungen
  • 1983: Eintritt von Konrad Ganz
  • 1986: Gründung der Ganz AG Heizung Sanitär mit Robert Ganz, Konrad Ganz und Peter Schlup
  • 1987: Eintritt von Barbara Ganz
  • 2008: Eintritt von Marco Ganz und Michael Weber
  • 2011: Austritt Michael Schlup und Eintritt von Patrick Bieri
  • 2016: Übergabe an die 4. Generation reu

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